Wer Unterbodenschutz auf Rost aufträgt, verdeckt den Schaden nur, denn darunter arbeitet die Korrosion weiter. Dauerhaft hilft nur die richtige Reihenfolge: Rost am Unterboden entfernen, durchgerostete Bleche ersetzen, Nähte versiegeln, grundieren und erst dann den Unterboden versiegeln. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt dieser Leitfaden an einem Linienbus, Schritt für Schritt und mit Videoserie.
Instand gesetzt wurde ein Linienbus, Baujahr 2009. Korrodiert waren der Schweller am mittleren Türeinstieg einschließlich der Rollstuhlrampe sowie der angrenzende Unterboden. Beide Bereiche durchlaufen denselben Grundablauf. Am sichtbaren Schweller kommen aber zwei Arbeitsgänge hinzu: Schwemmzinnersatz und Spachtel bringen die Oberfläche dort wieder in Form.
Die Videoserie begleitet den Bus durch die gesamte Instandsetzung, vom Rostschaden bis zur Rückkehr in den Linienbetrieb.
Auf einer rostigen oder losen Oberfläche fehlt dem Unterbodenschutz die tragfähige Grundlage. Feuchtigkeit bleibt unter der Beschichtung eingeschlossen, und der Schaden wächst unbemerkt weiter, während der Unterboden von außen geschützt aussieht. Ein dauerhafter Schutz besteht deshalb aus drei Schichten mit unterschiedlichen Aufgaben:
Am Anfang steht die Bestandsaufnahme: Wo sitzt Rost, welche Beschichtungen sind noch tragfähig, wo ist das Blech durchgerostet? Die Hohlräume werden mit einer Kamera von innen begutachtet, denn Korrosion beginnt oft dort, wo man sie nicht sieht. Das Ergebnis entscheidet, ob Entrosten reicht oder ob Blech ersetzt werden muss.
Lose Beschichtungen und Rost werden mechanisch abgetragen, von grober Körnung (P40) bis P120. Der Akku-Feilenbandschleifer Mirka FBS-B 13×457 erreicht Rillen, Falze und die engen Stellen rund um die Rollstuhlrampe, der kompakte Winkelschleifer Mirka ANGOS ARG-B 200 bearbeitet Ecken, Kanten und Übergänge. Angrenzende Bereiche werden mitbearbeitet. Rund um spätere Schweißstellen wird alter Unterbodenschutz großzügig entfernt, weil er brennbar ist.
Wo das Blech durchgerostet ist, wie hier am Schweller, werden die Altteile mit dem ANGOS und einer Trennscheibe ausgetrennt. Die vorbereiteten Neuteile werden eingepasst und im MIG/MAG-Verfahren mit dem P3 GYS AUTO eingeschweißt, einem Impuls-Schutzgasschweißgerät für den Karosseriebau. Die Regel lautet: Durchrostungen werden nicht kaschiert, sondern ersetzt.
Vor dem Schweißen die Batterie abklemmen, Leitungen und den Bodenaufbau im Innenraum schützen und einen Feuerlöscher bereithalten. Schweller und Rampenbereich sind sicherheitsrelevant: Es gelten die Reparaturrichtlinien des Fahrzeugherstellers, und Korrosion an tragenden Teilen ist bei HU und Sicherheitsprüfung ein Mangel.
Schweißspritzer werden entfernt und die Nähte an den Übergängen verschliffen, zuerst mit P40 und P60, dann mit P80 und P120. Auch hier kommen FBS-B und ANGOS zum Einsatz. Ziel ist eine gratfreie, tragfähige Oberfläche, denn sie ist die Basis für alle weiteren Schichten.
Schleifstaub und Fett werden mit dem Bauteilreiniger TEROSON VR 10 entfernt, danach lüftet die Fläche kurz ab. Dieser Schritt wiederholt sich nach jedem Schleifgang.
An allen Nähten, an Schweller und Unterboden, wird ein 2K-Epoxid-Klebstoff dünn aufgetragen, der in die Poren der Naht eindringt. Verwendet wurden TEROSON EP 5055 und EP 5065. Beide sind für blanken Stahl entwickelt und schützen die Naht dauerhaft vor Korrosion.
Am sichtbaren Schweller folgt nass in nass der Schwemmzinnersatz TEROSON EP 5010 TR, und beide Schichten härten gemeinsam aus. Anschließend wird die Fläche geschliffen und gereinigt. Blanke Stellen werden mit BONDERITE M-NT 1455 Wipes behandelt, die eine korrosionsschützende Haftschicht auf dem Metall erzeugen. Zum Schluss gleicht der Polyesterspachtel TEROSON UP 210 die Kontur fein aus. Geschliffen wird mit dem Exzenterschleifer Mirka DEROS II und dem Schwingschleifer Mirka DEOS II in P120 bis P240.
Vor dem Grundieren wird die gesamte Fläche noch einmal mit VR 10 gereinigt. Ab hier ist der Ablauf für Schweller und Unterboden gleich.
Der MIPA 2K-EP-Grundierfiller isoliert das Metall gegen Feuchtigkeit und bildet die Haftbasis für den Steinschlagschutz. Er wird in mehreren dünnen Spritzgängen aufgetragen, mit besonderer Sorgfalt an Kanten, Nähten und reparierten Stellen. In der Werkstatt härtet die Grundierung über Nacht bei mindestens 15 °C aus. Das ist mehr, als der Hersteller mindestens verlangt, aber so ist sie vollständig durchgehärtet, bevor die nächste Schicht folgt.
Bremsen, Abgasanlage, bewegliche Teile und spätere Klebeflächen werden abgedeckt. Dann wird der wasserbasierte Steinschlagschutz TEROSON WT R2000 mit der Unterbodenschutzpistole aufgesprüht. Er ist ausdrücklich auch für sichtbare Bereiche wie den Schweller freigegeben und schützt gegen Steinschlag, Streusalz und Feuchtigkeit.
Ist der Steinschlagschutz durchgetrocknet, wird das Korrosionsschutzwachs TEROSON WX 400 mit Druckbecherpistole und Sonde in die Hohlräume gesprüht. Das geschieht, solange Anbauteile und Rollstuhlrampe noch demontiert und die Hohlräume dadurch gut zugänglich sind. Das Wachs kriecht in Falze und Überlappungen, verdrängt Feuchtigkeit und schützt die Schweißnähte von innen. Ablauföffnungen bleiben frei, damit Kondenswasser abfließen kann. Spätere Klebeflächen müssen frei von Wachs bleiben.
Nach der Hohlraumkonservierung werden die Anbauteile montiert, und die Rollstuhlrampe wird mit dem elastischen Klebstoff TEROSON MS 9381 HPT eingeklebt. Damit er auf dem Edelstahl sicher haftet, wird die Fläche mit VR 10 gereinigt und mit dem Haftvermittler TEROSON SB 450 vorbehandelt. Die gründliche Reinigung ist hier doppelt wichtig, denn schon geringe Wachsreste auf der Klebefläche würden die Haftung beeinträchtigen.
Zum Abschluss wird der gesamte Aufbau geprüft: Kanten, Übergänge, reparierte Stellen und, per Kamera, die Hohlräume. Danach geht der Bus zurück in den Linienbetrieb.
Für alle, die den Aufbau selbst umsetzen, hier die wichtigsten Herstellerangaben. Maßgeblich sind immer die aktuellen technischen Datenblätter.
Unterbodenschutz auf Rost löst das Problem nicht, er verdeckt es nur. Dauerhaft schützt nur ein vollständiger Aufbau: entrosten, durchgerostete Bleche ersetzen, Nähte versiegeln, grundieren, Steinschlagschutz auftragen und die Hohlräume konservieren. Das Praxisbeispiel zeigt, dass sich auch ein Linienbus nach 17 Jahren im Einsatz mit dem richtigen Ablauf wieder zuverlässig schützen lässt.
Alle im Video gezeigten Produkte, von der Schleiftechnik von Mirka über die Grundierung von MIPA bis zu Nahtversiegelung, Steinschlagschutz und Hohlraumkonservierung von TEROSON, gibt es bei winkler. Beratung zur Produktauswahl bieten alle winkler Niederlassungen.
Nein. Auf rostigem oder losem Untergrund haftet Unterbodenschutz nicht dauerhaft, und die Korrosion arbeitet darunter weiter. Rost und lose Schichten müssen vorher entfernt werden.
Mechanisch mit Schleiftechnik: ein Feilenbandschleifer für Rillen und enge Stellen, ein kompakter Winkelschleifer für Ecken und Kanten, von P40 bis P120. Ist das Blech durchgerostet, wird es ersetzt.
Unterbodenschutz schützt die Außenflächen gegen Feuchtigkeit und Steinschlag. Die Hohlraumkonservierung schützt von innen: Ein Wachs wird per Druckbecherpistole und Sonde in die Hohlräume eingebracht.
Nicht zwingend. 2K-Epoxid-Grundierung und ein für sichtbare Bereiche geeigneter Steinschlagschutz schützen den Schweller vollständig. Ein Decklack ist nur für eine farbliche Angleichung nötig.
Nur, wenn der Untergrund vorher rostfrei, gereinigt und grundiert ist. Der Steinschlagschutz ist die letzte Schicht und ersetzt nicht die Vorbereitung.
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